Geschichte

700 Jahre Haus Frohnenbruch 

Haus Frohnenbruch 

war in früheren Zeiten ein Rittersitz und später ein Herrensitz, wie ihn die Zeichnung von 1698 wiedergibt: Eine Vorburg und ein Haupthaus mit vier Türmen, umgeben von Wassergräben mit Brücken, dazu 10 Morgen Garten, 100 Morgen Ackerland, 50 Morgen Benden und eine Hütung. 

"Haus Frohnenbruch" ist bereits 700 Jahre alt, wahrhaftig ein besonderes Jubiläum. Im Jahr 1304 erhielt Johann von Stralen die "Burg Vronenbroeck" vom Grafen Reinald von Geldern als Lehen übertragen. Der Gelderner Graf stellte die Burg einem Ritter zur Verfügung, der als Gegenleistung bestimmte Dienste übernehmen musste, z. B. gewappnete Reiter abordnen. 

1422 stifteten die damaligen Besitzer von Haus Frohnenbruch, Rytger von Vlodorp und seine Gattin Elsbe von Wachtendonk, im nahe gelegenen Hoerstgen für sich und ihre Leute eine Kapelle. Der Weg zur katholischen Messe nach (Moers- )Repelen wurde dadurch deutlich kürzer. 

Über verschiedene Stationen war Frohnenbruch in den Besitz der Burggrafen von Drachenfels gelangt. Agnes von Drachenfels heiratete 1533 den Dietrich von Milendonk; damit gehörte die Herrschaft Frohnenbruch für mehr als 200 Jahre den Freiherren (später Reichsfreiherren) von Milendonk. Als Reichsfreiherrlichkeit war Frohnenbruch-Hoerstgen ein selbständiges wenn auch kleines Territorium im "Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation". Diese Selbständigkeit wurde ihnen allerdings lange Zeit von dem jeweiligen Abt von Kloster Kamp und auch vom Kölner Erzbischof bestritten. 

1626 Seit 8 Jahren tobte in Deutschland bereits der dreißigjährige Krieg, als mit dem Bau der "Fossa Eugeniana" begonnen wurde. Die Spanier, die in großen Teilen von Westeuropa regierten, lagen im Kampf mit den Niederlanden, die sich von der spanischen Herrschaft befreien wollten. Ein Schifffahrtskanal, von den Spaniern gebaut, sollte den Rhein (bei Rheinberg) mit der Maas (bei Venlo) verbinden und die Handelswege der Holländer abschneiden. Dieser Kanal, nach der Spanierin Isabella Clara Eugenia benannt, lief dicht hinter Frohnenbruch vorbei und ist heute noch im Gelände gut zu erkennen. Für den Bau standen natürlich keine modernen Tiefbau-Fahrzeuge zur Verfügung. Alles erfolgte in Handarbeit mit z. B. rund 5000 Schüppen, 1600 Spaten, 4400 Schubkarren, 1550 Ersatz- rädern für Schubkarren und den nötigen Handarbeitern. Bald zeigte sich, dass sich die Spanier übernommen hatten. Nach drei Jahren wurde der Bau der Fossa eingestellt. (Auf unserem Bild von 1698 ist sie als "Neuer Rhein" bezeichnet.) 

1632 Herr auf Frohnenbruch war zur fraglichen Zeit Kraft Freiherr von Milendonk. Als er starb, erbten seine 6 Kinder gemeinsam Haus Frohnenbruch und die Herrschaft Frohnenbruch-Hoerstgen. Maximilian überlebte alle seine Geschwister. 

1695 am 2. März heiratete dessen Tochter Margaretha Elisabeth ihren Vetter Gotthard Kraft, einen preußischen Oberst der Kavallerie. Margaretha brachte Haus und Herrschaft Frohnenbruch mit in die Ehe. 1728 starb sie. Da die Ehe kinderlos geblieben war, erbte Gotthard Kraft die Herrschaft Frohnenbruch. 1730 heiratete er ein zweites Mal und zwar die Christine Charlotte Elise Freiin von Wylich zu Diersfort. Auch diese Ehe blieb kinderlos, so dass das Milendonksche Geschlecht 1749 ausstarb. Ein Enkel von Gotthard Krafts Schwester, einer verheirateten Frau von dem Knesebeck, erbte Frohnenbruch. Er trug den langen Namen Karl Franz Paridam Kraft von dem Knesebeck. 

1793 Die Unruhen in Frankreich blieben nicht ohne Auswirkungen auf Frohnenbruch. Als die französischen Revolutionsheere das preußische Geldern besetzten, verließ Herr von dem Knesebeck Frohnenbruch und begab sich nach Wesel. Frohnenbruch wurde geplündert und verheert. Wenige Jahre später wurden die Hoheitsrechte von der französischen Regierung aufgehoben, der größte Teil der Einnahmen ging verloren. Karl Franz starb, 80 Jahre alt, in Magdeburg. Sein Neffe Karl Friedrich, ein späterer Generalfeldmarschall, erbte Frohnenbruch. Er ließ die Ländereien von Haus Frohnenbruch parzellenweise verkaufen. 

Seit 1846 befindet sich die ehemalige Wasserburg im Besitz der Familie Bird. Heute arbeitet und wohnt dort die Familie von Klaus Bird in sechster Generation. 

Friedhelm Lenz 2004